Ostergruß 2020

Ostergruß 2020

Unsere muslimische Vorsitzende Najoua Benzarti schreibt:

Liebe Geschwister,

an diesem Karfreitag möchte ich gerne all meinen Geschwistern einen gesegneten Tag und vor allem viel GESUNDHEIT wünschen!

Mitten in der Coronakrise 2020 feiern die Juden Pessachfest, die Christen Osterfest und die Muslime Ramadan. Daher wünsche ich meinen christlichen Geschwistern frohe Ostern und meinen jüdischen Geschwistern ein frohes Pessachfest!

„Eine Pandemie kennt keine Feiertage.“, sagte Angela Merkel. „Ostern und die nächsten Tage werden sehr entscheidend sein.", meinte Gesundheitsminister Jens Spahn. „Gerade in diesen Wochen stehen in den monotheistischen Religionen Ostern, Pessach und Ramadan an, die wir alle traditionellerweise auch als Familienfeste feiern. Dieses Jahr werden wir hier im besonderen Maße kreative Lösungen brauchen, um trotz der Beschränkungen Gemeinschaft erleben zu können.“, äußerte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Die Coronakrise fordert alle Gläubigen heraus. Sie müssen auf vieles verzichten, viele Änderungen vornehmen und anders als sonst feiern. Allerdings tun uns allen Abwechslungen gut. Kreativität hilft uns neue Idee zu entwickeln sowie unser Potential voll zu entfalten. Zudem können Innovationen unsere Vielfalt stärken und uns Menschen als je zuvor zusammenbringen. Disziplin, Geduld, Zusammenhalt, aber vor allem Abstand halten, sowie zu Hause bleiben sind unsere Werkzeuge um die Krise mit Gottes Hilfe gut bestehen zu können. Nächstenliebe, Geschwisterlichkeit und Altruismus können wir ausüben, indem wir hoffnungsvoll miteinander, aber jede/r bei sich zu Hause für die ganze Welt beten.

Abschließen möchte ich meine Glückwünsche mit edlen Worten Gottes, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen: „Wahrlich, es gibt mit der Erschwernis eine Erleichterung.“ - Koran, Sure 94 Vers 6.

Geschwisterliche und friedliche Grüße,

Najoua Benzarti

Unser stellvertretender christlicher Vorsitzender Erhard Bechtold weist auf das Video des ökumenischen Gottesdienstes am Palmsonntag in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe bei Baden-TV hin und schreibt folgende Gedanken zum Karfreitag 2020:

Wann wird es denn wieder normal wie vorher? Viele von uns fragen sich das – in dieser so „unnormalen“ Zeit der Corona-Krise, in der wir immer noch sind. Wie vorher? Ich möchte einmal den Ausblick wagen: gar nicht. Es gibt Ereignisse, die unseren Lauf, unsere Zukunft und unser Lebensgefühl verändern. Und ich meine, so einen Umbruch erleben wir gerade.

Wann wird es wieder wie vorher? Vielleicht haben das auch einige gedacht, damals als Jesus in Jerusalem erschienen war. Als dieser Jesus so ganz anders geredet hat, anders mit den Leuten umgegangen ist – mit Frauen, mit Zöllnern, mit Sündern, mit Kranken – so anders als die führenden Leute im Staat und in der Religion. Und als man Jesus schließlich zur Verurteilung bringen konnte und er am Kreuz seinen Geist aufgab, da dachten sie vielleicht auch: jetzt wird es wieder wie vorher.

Aber der Lauf der Welt, die Zukunft hatte schon begonnen, sich zu verändern. Da war etwas anders geworden und es konnte kein Dahinter zurück mehr geben.

Da hatte Jesus die Armen und Trauernden seliggepriesen, hat die, die Frieden stiften, Kinder Gottes genannt, hatte Kranke geheilt, hatte die Geschichte vom barmherzigen Samariter als den Umgang miteinander in den Mittelpunkt gestellt. Jesu eigener Lebensweg, der ihn zu uns Menschen führte, gipfelte in der Hingabe seines Lebens, nicht heldenhaft, sondern mit Schmerzen und Trauer, mit Angst, sogar dem Gefühl verlassen zu sein.

Auch heute, in dieser Krise, die die ganze Welt erfasst hat, erleben wir Angst, Trauer um Angehörige, Sorgen um die Zukunft. Wir vermissen die tröstende Umarmung, wir sind verängstigt oder fühlen uns verloren. Wir können heute nicht einmal zusammen in den Kirchen unter dem Kreuz stehen.

Nein, so wie Gott keinen Kreuzestod verlangte, um eine versöhnte Welt zu schaffen, so hat er auch jetzt keine Pandemie geschickt, um uns irgendwie zu besseren Menschen zu machen. Aber ein solches Ereignis lässt uns vielleicht neu nachdenken über das Leben, über den Tod. Unsere Vorstellungen von Allmacht und Besitz, unsere Vorstellung, dass Mensch und Natur grenzenlos beherrschbar seien, sind doch erschüttert. Es mag sein, dass die tröstende Kraft der Religion sehr geschwächt ist, aber auch der unbekümmerte Glaube an Wissenschaft, Fortschritt und Wachstum scheint da und dort in Frage gestellt. All das kann uns weiter auseinander treiben. Oder gibt es auch einen Weg zueinander?

„Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter“. So heißt es im Evangelium heute. Und weiter: „Von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich“. Wir kennen dieses Bild von so mancher Kreuzesdarstellung: der Jünger, Johannes, hält Maria, die Mutter Jesu, in seinem Arm. Jesus bringt diese beiden so nah zueinander. Jesus, das Kreuz, verbindet Menschen. Bei aller Not, von der wir zurzeit mitbekommen, sehen wir auch wie Menschen – trotz Abstand halten Müssen – einander beistehen: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Transporteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Ordensleute, Priester, Pfarrerinnen und Pfarrer, Lehrerinnen und Lehrer, Mütter und Väter – und so viele andere – handfest liebende Menschen.

Im Schrecken und der Brutalität des Kreuzes bringt Jesus menschliche Wärme und führt uns zusammen. Wir sehen auch vielleicht an uns selbst, wie verwundbar wir sind und wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Es war nicht leicht unter dem Kreuz bei Jesus zu bleiben, bei ihm, der selber bei denen war, die unten waren. Viele sind fortgelaufen, fast alle Jünger. Und doch ging eine Verbundenheit von diesem Kreuz aus – erlösend –, eine neue Verbundenheit auch unter uns.

Wann wird es denn wieder normal wie vorher? Die Sehnsucht nach Normalität in unserem alltäglichen Leben ist verständlich. Und da ist auch die andere Sehnsucht: dass der Blick auf Jesus Christus – an diesem besonderen Karfreitag – uns auch neu aufgehen lässt, was sich im Kreuz schon so fundamental verändert hat: Diese Liebe Jesu lässt uns wahrhaftig sein, lässt uns unsere Vergänglichkeit und Erlösungsbedürftigkeit annehmen, gibt uns Hoffnung und kann uns hilfsbereit und dankbar machen. Hinter die Liebe Gottes zu uns gibt es kein Zurück. Amen

Dass die Rückkehr zur Normalität noch dauern wird, zeigt die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland und in Baden-Württemberg, die unser Vorstandsmitglied Karl Berger in einem täglich aktualisierten Diagramm darstellt, siehe KCID.